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Premieren haben immer den Glanz von etwas Besonderem, ganz Exklusivem. Die Zuschauer scheinen exklusiv, der Film ist total neu und am Ende wird geklatscht. Alles wirkt irgendwie echter. Ich durfte eine Premiere sehen und zwar den dritten Teil der Twilight-Saga, „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“.

Jetzt steht die Frage im Raum, ob der Film sehenswert ist. Zuerst jedoch zum Geschehen: In der zweiten Szene sitzen die beiden – Bella und Edward – auf einer Blumenwiese und blödeln ein bisschen verliebt rum. Doch schnell steigt der Film gewohnt dramatisch ein, den Erwartungen wird sofort gerecht: „Beiß mich, Edward“ – „Nein, heirate mich erst!“ Zu diesem Zeitpunkt flammt kurz in mir die Idee auf, dass das alles war: „Beiß mich – heirate mich – beiß mich…“ und so weiter. Aber gut, damit käme man wahrscheinlich nicht auf einen abendfüllenden Film und „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ dauert immerhin stolze 124 Minuten. Während die beiden über’s Heiraten reden, was tendenziell ein schönes Ereignis sein sollte, gucken sie, als ob sie über Geschlechtkrankheiten redeten oder mindestens den plötzlichen Tod eines geliebten Menschen zu beklagen hätten. Robert Pattinson kopiert Kirsten Stewarts leidenden Gesichtsausdruck mittlerweile perfekt. Schade eigentlich.
Nun gehen wir ja alle mit unterschiedlichen Erwartungen ins Kino. Ich habe mich ein bisschen schlau gemacht; wollte ich schließlich möglichst gut vorbereitet genießen. Der Regisseur David Slade zumindest verspricht Action: „30 Days of Night“ ist von ihm, ein wirklicher Schocker ohne Jugendfreigabe, der das Prädikat „besonders blutrünstig“ trägt. Der Film läuft noch keine zehn Minuten, als schon die ersten Probleme aus dem Reich der Blutsauger auftauchen – nachdem in der ersten Szene ein Student brutal verwandelt wird, erfährt man nun, dass das Ereignis ein Jahr zurückliegt. Die Eltern suchen den Jungen noch immer und fragen auch bei dem Polizisten Charly, Bellas Vater, nach. Aber auch aus einer anderen Vampir-Angelegenheit droht Gefahr: Victoria ist zurückgekehrt, was mal wieder Gefahr für die Bella-Edward Beziehung bedeutet. Edward fliegt nämlich spontan mir seiner Geliebten zu ihrer Mutter und verschweigt die Victoria-Sache. Hatten wir das nicht schon mal? Auch in einer anderen Beziehung ist Autorin Stephenie Meyer beeindruckend wenig Neues eingefallen, denn Jacob buhlt immer noch vergeblich um Bella, die aber eigentich zu unsterblich verliebt ist, um überhaupt irgendwas zu machen. Zwischenzeitlich kann sie nicht einmal essen. Trotzdem scheint noch Platz zu sein für den Werwolfsjungen und natürlichen Feind der Vampire Jacob. Durch das Liebes-Dreieck und das Gebaren von Charly (der Edward nicht mag, sondern Jacob), ergeben sich einige komisch Sequenzen. Das sollte man dem Regisseur auch hoch anrechnen. Das gesamte Tempo des Films ist ihm gut gelungen – es gibt Szenen, ohne die der Film trotzdem funktioniert hätte. Zum Höhepunkt gelangt der Film jedoch nicht in der finalen Schlacht zwischen Victorias „Neugeborenen-Armee“ sowie Cullens und Werwölfen, sondern danach: Bella erklärt Edward, dass ihre Liebe zu ihm stärker ist als zu Jacob (was für eine Überraschung) und dass sie heiraten möchte (wie am Anfang).
Trotz allem denke ich, dass der Film nicht zu 100 Prozent nicht sehenswert ist. Er hat beeindruckende und auch witzige Momente, das muss man ihm zugutehalten. Außerdem sehen die weiblichen Darsteller allesamt gar nicht schlecht aus. Meine persönliche Favoritin ist Alice (Ashley Greene). Offensichtlich krass ist aber die gleichzeitige Botschaft, die der Film vermitteln will. Sex vor der Ehe ist schlecht! Da schlagen die USA mal wieder eine Schlacht gegen alle nicht-konservativ eingestellten Mitbürger – und es funktioniert: Am Ende wurde tatsächlich geklatscht!

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