Montagmorgen, 10:02 Uhr im ARD-Hauptstadtstudio Berlin: In einer Pressekonferenz wird die 30-minütige Dokumentation “Geheimsache Dopping – Eiskalter Betrug” der drei Filmemacher Robert Kempe, Hajo Seppelt und Jochen Leufgers vorgestellt. Erstmalig werden hier brisante Quellen gezeigt, die den Wintersport in Zusammenhang mit Doping bringen. Der Film ist gerade jetzt, vier Tage vor Beginn der XXI. olympischen Winterspiele in Vancouver eine Art Kampfansage. Heute Nacht ist der Film um 0:15 auf dem Ersten zu sehen, im Internet wird er unter www.olympia.ard.de noch sieben Tage in der Mediathek abrufbar sein. Als Marie-Redakteur war ich im Auftrag der taz vor Ort.
Zu Beginn gibt Roman Biela, der zuständiger Redakteur des MDR, eine kurze Einführung in den Film. Dann soll sich die Presse erstmaleine eigene Meinung bilden über den Wintersport. Der kommt schon seit Jahren nicht zur Ruhe und es gibt zahlreiche Skandale. 2006 schon gab es bei den Winterspielen in Turin einigen Aufruhr: Auf 2.600 Athleten kamen damals ganze 2.000 Blut- und Urin-Tests. Bei einer Razzia im Österreichischen Team wurden Dopingmittel und Blutbeutel sichergestellt. Sechs Sportler wurden daraufhin gesperrt, fünf davon von den Winterspielen ausgeschlossen. Doping zugegeben hatte keiner. Seitdem lagern die anderen Proben in einem auf minus 20 Grad herunter gekühltem Raum. Eine Schlüsselfigur bei dem damaligen Skandal ist der österreichische Ex-Langlauftrainer Walter Mayer. Er beteuert vor laufender Kamera seine in mehreren Prozessen widerlegte Unschuld, benennt aber auch zahlreiche Lücken in der Aufklärung von 2006. Denn es sind zwar viele neue Mittel auf den Listen aufgetaucht, die Proben lässt das Internationale Olympische Komitee (IOC) allerdings unangetastet.
Das Kernstück des Berichtes besteht aus der Aussage eines anonymen Skisportlers, der ein umfassendes Bild liefern kann. Erstmalig traut sich dies jemand, der selbst gedopt hat. “Unmöglich ohne”, “in der Weltspitze wird massiv gedopt”, “Es geht nur mit Doping, dass man vorne mitmischt”, sind nur einige Phrasen, die der nordische Skisportler aus Mitteleuropa angibt. So wird der in der Pressemitteilung genannt, Deutschland ist hier also keinesfalls auszuschließen.
Einen österreichischen Untersuchungsrichter Arnold Riebenbauer, der eine Involvierung der Deutschen im Verfahren von 2006 gesehen haben will. Von “Quellen, die es wissen müssten.”, formuliert er vorsichtig. Seine Informationen habe er auch an deutsche Doping-Fahnder übergeben. Weiter verfolgt wurde das nicht.

Mit versteckter Kamera beweist das Team in Russland und Weißrussland, wie einfach es ist, das sogenannte S107 zu beschaffen. Von einem Labor lassen sie sich bestätigen, dass das Mittel den gewünschten Effekt von wahnwitzigen 20 Prozent weniger Muskelermüdung bringe. Obwohl es einen Nachweis-Test gibt, taucht S107 immer noch nicht auf der Verbotsliste des IOC auf.
David Howman, der Generaldirektor der Welt-Antidoping-Agentur, wird schließlich mit den Ergebnissen konfrontiert. Zu den Vorwürfen der Journalisten gibt er lediglich halbkonkrete Antworten.
Um sich dieser Dinge klar zu werden, ist “Geheimsache Doping” ein wirklich wichtiger Film. Insgesamt sind die Handlungsstränge etwas lose verknüpft, was das ganze etwas dickflüssig werden lässt. Außerdem bemerkt man einen etwas reißerischen Charakter, der “nordische Skisportler aus Mitteleuropa” sitzt geheimnisvoll im Schatten. Auch der Titel ist eher unglücklich gewählt – Doping ist meist Geheimsache.
Wie schwierig es ist, Athleten zu derartigen Geständnissen zu bringen, stellte Hajo Seppelt noch einmal eindrücklich dar. Ein geständiger Sportler verliert nämlich nicht nur seine Karriere, es hängt sein gesamtes Privatleben von dieser einen Lüge ab, macht Seppelt klar.
Die Machenschaften sind kriminell, um Chancengleichheit herzustellen müssen Sportler mit ihrer Gesundheit bezahlen. Hajo Seppelt ist sich sicher: “Es wird der Punkt kommen, an dem dieses Kartenhaus einstürzt”






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super Artikel, hat mir gut gefallen!
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