Uli mit seiner GastfamilieLiebe Marieleser,
ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2010.
Seit fast 4 Monaten bin ich im Austausch mit dem Rotary-Club in Latacunga, Ecuador. Mir geht es hier echt gut, auch wenn es gerade ziemlich komisch ist-Weihnachten und du musst dich um 10 Uhr in der großen Pause mit Sonnencreme einschmieren, da die Sonne hier am Äquator so stark ist und du dir sonst einen derben Sonnenbrand holst (-> Erfahrung). Der Plastikweihnachtsbaum mit kunterbunter (Party-) Beleuchtung steht schon seit Ende November und als ich zur gleichen Zeit bemerkte, dass es hier gar keinen Adventskalender gibt, habe ich schnell einen für meine Familie gebastelt, worüber sie sich echt gefreut haben. Aber es gibt noch einige andere Sachen, die Mein Weihnachten 2009 zu einer ganz neuen Erfahrung machen bzw. machen werden. So trifft sich z.B. die ganze Familie am Heiligen Abend bei meiner Tante beim Cafe zum Geschenketausch. Jeder muss ein Geschenk für ca. 20 Dollar (ca. 14 Euro) kaufen und diese werden getauscht.
Auch Silvester wird ganz anders gefeiert:
Nicht wie in Deutschland werde ich mit Freunden feiern, sondern mit 70 Leuten aus der Familie. Es wird gesungen, sich verkleidet, gegessen und getrunken. Der ganze Spaß, so wurde mir gesagt, kann dann leicht bis 10 Uhr morgens dauern. Nachdem ich die Bilder der letzten Jahre gesehen habe, kann ich es gar nicht mehr abwarten.
EcuadorDas Land Ecuador ist wunderschön, da es so vielfältig ist. In diesem kleinen Land gibt es 73 Vulkane (davon 14 aktiv), die bis zu 6100 Meter hoch sind, im Osten des Landes ist das Amazonasgebiet mit dem Regenwald und im Westen befindet sich die Pazifikküste. Eine ganz besondere Sache Ecuadors sind die Galapagos Inseln, 1000 Kilometer von der Küste entfernt. In allen 3 Gebieten des Festlands war ich bereits und im April darf ich nach Galapagos- die Reise auf die ich am gespanntesten bin.
Die Vielfalt des Landes spiegelt sich auch in der Tier- und Pflanzenwelt wieder. Wale, Geckos, Papageien und Kolibris sind nur ein kleiner Teil von den Tieren, die ich hier bisher freilebend gesehen habe. Nahezu alle Früchte die ihr euch vorstellen könnt gibt es hier. Es sind nicht nur Bananen, für welche Ecuador dem einen oder anderen von euch bekannt sein dürfte. Ananas, Papayas, zur Zeit Mangos, Kokosnüsse….Da es so viel davon gibt es, ist es auch dementsprechend günstig. 100 Orangen kosten zum Beispiel umgerechnet nur 2 €.
So reich die Natur Ecuadors ist, so arm ist seine Bevölkerung. Jeder Dritte lebt von nur einem US Dollar (ca. 70 Eurocent) am Tag. Ich lebe in wirklich guten Verhältnissen, meine Familie hat eine Angestellte die kocht, bügelt, aufräumt etc. und ein riesiges Haus. So spüre ich diese Armut nicht direkt. Oft genug aber sehe ich sie:
QuitoViele Kinder putzen Schuhe und verkaufen Kaugummis, oft von ihren Eltern geschickt. Ein krasser Anblick war für mich, als ich einen Junge in einem Müllcontainer hab wühlen sehen. Als ich nach einem tollen Abend in Quitos Altstadt mit meiner zukünftigen Gastfamilie zu ihrem Auto zurückkehrte und mich 2 ca. 6-jährige Jungen um ein Stück meiner Zuckerwatte anbettelten fühlte ich mich unglaublich schlecht. Du siehst diese armen Kinder und selber lebst du (zu) gut.
Letztes Wochenende war ich wieder in Quito, nebenbei-Ecuadors Hauptstadt, bei einem Stierkampf. Mir gefiel das Ambiente und die Art der Toreros (Stierkämpfer) mit dem Stier zu kämpfen. Jedoch ist es schwer anzusehen, wenn der Stier abgestochen wird. Der Stierkampf ist Teil der ecuadorianischen Kultur, stammt aber eigentlich aus Spanien und wurde in der Zeit als Ecuador Kolonie Spaniens war übernommen.
Einen großen Teil der „originalen“ ecuadorianischen Kultur machen die Indigenen Einwohner aus. Sie erkennt man daran, dass sie fast immer ihre traditionelle Kleidung tragen, wozu zum Beispiel ein Hut mit Pfauenfeder gehört. Viele von ihnen arbeiten als Kleinbauern in den Bergen und leben oft in armen Verhältnissen.
PonchoIch liebe Ecuador und natürlich gibt es auch einige Dinge die ich an Deutschland vermisse: Meine Familie und Freunde; ein Essen ohne Reis; Heinz’ belegte Brötchen; die Deutsche Bahn; meine Schule ohne Uniform UND mein Fahrrad!
Aber beklagen will ich mich auf keinen Fall, denn mir geht es hier echt gut!
Euch allen noch einmal ein Frohes Weihnachtsfest und einen Guten Rutsch.
Liebe Grüße aus Ecuador (Besonders an meine Freunde aus der 13 und der 11, bzw. an meine ganze Stufe)
Euer Uli