Bischof Lucio Alfert„Ich hab die Menschen im Chaco mal gefragt was ihnen wichtig ist. Dass ich mit einem Jeep da angefahren komme, war ihnen egal. Ihnen war wichtig, dass sich mal einer wohl gefühlt hat.“ „Sich-wohl-Fühlen“- für uns in Europa ist das normal. Mit Fußbodenheizung, einer anständigen Dusche, und schicken Wohnzimmern lässt es sich schließlich auch gut leben.
Pater Lucio Alfert O.M.I hat das im paraguayischen Chaco ganz anders kennengelernt:
„Ich musste in einem Haus schlafen mit nur einem Zimmer, in dem die ganze Familie schlief. Die Häuser bestehen zumeist nur aus Holz direkt aus dem Wald. Einige Familien haben jetzt aber auch schon Stein für ihre Gebäude verwendet, aber die Häuser sind trotzdem noch ziemlich prekär mit sehr wenig Platz. Die Toiletten sind einfach nur kleine Holzhäuschen, die da irgendwo rumstehen. Ja, und die Wasserversorgung ist eine Katastrophe. Teilweise muss das Regenwasser von den Dächer gesammelt werden, denn das Grundwasser ist zu salzig. Oder es gibt Zisternen oder Wasserlöcher, in denen das Wasser aufgefangen wird.“
Für einen Europäer wie Bischof Alfert fällt das „Sich-wohl-Fühlen“ da allerdings etwas schwer. Doch der gebürtige Westfale hat sich schnell mit den Gegebenheiten in Paraguay angefreundet.
1972 ist er nach seiner Priesterweihe nach Südamerika gekommen und hat sich trotz des ungewöhnlichen Klimas schnell in die Region, aber vor allem die Menschen verliebt.
„Die Leute kamen mir von Anfang an sehr positiv vor. Alle Menschen haben freundlich gegrüßt auf der Straße und die Häuser standen immer offen und man konnte einfach so hineingehen. Es war ein sehr positiver Eindruck gleich am Anfang.“

Die tägliche Arbeit für die Oblaten in Südamerika ist eine schwierige und völlig andersartige als hier. Die Menschen wohnen kilometerweit auseinander. Alfert selbst ist vier Jahre lang mit dem Rucksack durch die Region gereist, um die Familien zu besuchen. Doch die Arbeit hat sich gelohnt.
„Wenn die Indianer merken, dass man sie unterstützt, fühlt man sich schnell wohl. Sie laden dich ein und beziehen dich in wichtige Diskussionen mit ein.“ Mittlerweile kennt Alfert die indianische Kultur gut. Und obwohl er auf die Pommes in Paraguay wohl verzichten muss, weiß er, was lecker ist. „Bei den Bauern sieht das Essen gar nicht so anders aus als bei uns. Sie haben eigentlich alles. Es wächst Gemüse und Fleisch gibt es auch genug. Am liebsten essen sie „Manjaok“, das ist so etwas Ähnliches wie Kartoffeln. Das gibt es bei denen zum Frühstück. Dazu wird Mate-Tee gekocht -mit einem bisschen Milch und gebranntem Zucker – sehr lecker, besser als Kaffee. Nachmittags wird der Mate dann kalt getrunken.“ Indianer im ChacoAber die Indianer im Chaco und im kleinen Dorf Macharetey schätzen die Arbeit der Oblaten sehr. Vier Patres kümmern sich zur Zeit um das Gebiet, das übrigens die Größe von einem Drittel Deutschlands hat. Die Bewohner unterstützen sie dabei, wie Alfert berichtet. „Sie arbeiten so wunderbar mit. Normalerweise halten die Indianer ihre Gottesdienste selber und deshalb freuen sie sich immer, wenn wir kommen. Dann haben sie immer alles schon vorbereitet: Taufen, Hochzeiten, alles. Wir Priester brauchen dann nur noch das zu tun, was wir Berufswegen tun müssen.“

Mit unseren Spenden sollen neben der Wasserversorgung, dem „Straßennetz“ und den Hygieneeinrichtungen vor allem der letzte sehr bedürftige Faktor verbessert werden: die Bildung.
Bis jetzt gibt es zwei Grundschulen in dem Gebiet. Vor einem Jahr ist ein Gymnasium dazugekommen, das aber noch keine eigenen Schulräume besitzt.
Bis jetzt nutzen sie die Räume der Grundschule. Aber es sollen neben Klassenräumen auch eine Bibliothek und ein Aufenthaltsraum entstehen, indem die Schüler auch mal andere Aktivitäten machen können.“ Dann, so hofft Alfert, werden aus den momentanen 30 Schülern schnell mehr und die pfiffigen unter ihnen müssen das Dorf nicht mehr verlassen, um sich weiterzuentwickeln. Von dem vielen Geld hat Alfert den Machartey-Bewohnern aber nicht viel erzählt, zu groß war die Angst, dass die Träume vielleicht dann doch noch platzen könnten.
Adrian und VictorDeshalb sollten auch seine beiden Begleiter, die Indianer Adrian (19) aus Macharety und Viktor (21) einfach die neuen Eindrücke genießen und nicht zu sehr an das Geld denken.
Für sie war Deutschland eine völlig fremde Welt, erzählt der Bischof: „Sie haben nur gestaunt über viele Dinge. Schon alleine die Fahrt vom Flughafen hierher: Eisenbahn und Zug, der Flughafen, die Häuser, die Straßen und vor allem die Natur. Es ist alles viel gepflegter als in Paraguay.“ Bischof Lucio kann uns aber versichern: Die Jungs haben sich auch in Europa wohl gefühlt. Und er selbst komme eh gerne in seine Heimat zurück. Sogar alte Schulfreunde hat er nach der langen Zeit in Burlo wiedergetroffen. Da hat sich die weite Reise gleich doppelt gelohnt!