Henning, kann man Witzigsein lernen?
Man kann das zumindest üben. Ich glaube, man braucht eine gewisse Grundveranlagung, man muss Ideen haben. Aber wie man aus der Idee einen Witz macht, das kann man lernen.

Und wie wird man dann Comedy-Autor beim Radio?
Da gibt es sehr unterschiedliche Wege. Oft sind es auch Zufälle, durch die man dort landet. Wenn man früh merkt, dass man Ideen hat, die andere zum Lachen bringen, ist Radio sicherlich ein sehr guter Weg, um diese Ideen unterzubringen und bestenfalls davon zu leben. Und Comedy-Mann beim Radio zu werden ist auf jeden Fall einfacher als Comedy-Mann beim Fernsehen zu werden.

Erzähl doch mal, wie deine Arbeit abläuft. Wie entsteht zum Beispiel eine Folge von „Frittieren mit Calmund“?
Die Serie „Frittieren mit Calmund“ entstand in einer Mittagspause, als ich noch Comedy-Chef bei Einslive war. Jemand machte zum Spaß Reiner Calmund nach und da hatten wir die Idee, daraus eine Kochsendung zu machen, in der Calmund jedes Mal etwas frittiert. Ich habe dann jemanden gesucht, der ihn gut imitieren kann, und jemanden, der die Texte schreibt – das sind ja nicht die gleichen Leute. Und als wir dieses Team zusammen hatten, haben wir eine Folge produziert, die sehr gut bei den Hörern ankam. So entstand dann eine Serie mit über 50 Folgen. Manchmal ist es also wirklich nur eine blöde Idee in der Mittagspause, die dann sehr folgenschwer für den Hörer ist…

Was machst du an Tagen, an denen du eigentlich gar nicht zu Späßen aufgelegt bist kannst du den Humor da einfach an- und ausschalten?
Wie gesagt, einiges davon ist Handwerk. An Tagen, an denen ich nicht so lustig drauf bin, kann ich daher immer noch nach einem bestimmten Schema arbeiten – und oft merkt das gar keiner.

Könntest du dir auch vorstellen, fürs Fernsehen zu arbeiten?
Comedy-Arbeit fürs Fernsehen ist ganz anders. Beim Radio hat man viel mehr die Möglichkeit, alles selbst zu machen: sich was auszudenken, das zu schreiben, oft auch selbst zu sprechen und fertig zu produzieren. Das Ding, das anschließend gesendet wird, ist dann oft auch das, was man am Anfang als Idee hatte.
Beim Fernsehen habe ich auch schon gearbeitet, aber da gibt es so viele Instanzen zwischen der Idee und dem, was dann letztendlich über den Bildschirm läuft. Da reden manchmal bis zu 100 Leute mit! Zum Beispiel wollen irgendwelche Werbesponsoren einen Witz streichen, weil er nicht zu ihnen passt, und der Moderator will den anderen Witz nicht, und am Ende bleibt kaum etwas von dem übrig, was man selbst gut findet. Deshalb bin ich nach meinen Ausflügen in die Fernsehwelt immer reumütig zum Radio zurückgekehrt.

Gibt es trotzdem auch etwas bei deiner Arbeit, das du nicht so gern machst?
Ja, aber das ist immer unterschiedlich. Weil ich alles selber mache, kommt es immer drauf an: An manchen Tagen weiß ich, die Idee ist gut, aber ich habe keine Lust, das zu schreiben. Manchmal geht auch das Schreiben ganz leicht, aber ich habe keine Lust, dann noch stundenlang irgendwelche Schalleffekte einzubauen… Meistens sind es die Sachen, die aufhalten und lästig sind.

Und was ist das Tollste an deinem Job?
Das Tollste ist eigentlich, dass ich bisher nie was Anständiges gelernt habe. Ich hab ja nicht einmal studiert! Zwar habe ich im Laufe meiner beruflichen Laufbahn noch einiges dazu gelernt und mit prominenten Comedians Erfahrungen gemacht, aber ich habe die ganze Zeit gearbeitet. Und das hat einfach sehr viel Spaß gemacht – und ich lebe ja auch schon relativ lange davon. Das Beste ist einfach, jeden Tag das zu machen, was ich kann. Viele Leute fühlen sich mit ihrem Job ja gar nicht wohl und fragen sich, was sie an ihrem Arbeitsplatz überhaupt verloren haben. Aber ich weiß genau, warum ich da bin: Es gibt so viele Leute, die keine eigenen Ideen haben – warum sollen sie nicht meine nehmen und mir dafür Geld geben?

Der unglaubliche Alk, die tauben DJs, Frittieren mit CalmundGibt es eine Idee, auf den du im Rückblick auf deine Karriere besonders stolz bist?
Ich bin tatsächlich ziemlich stolz auf eine Comedy-Serie, die ich vor einiger Zeit mal gemacht habe: „Die tauben DJs“ für Einslive. Davon gab es immerhin 150 Folgen! Es ging um zwei DJs, die versuchten, sich bei lauter Musik zu unterhalten und sich immer falsch verstanden. Eigentlich Hip Hop, aber in Dialogform. Das war ein Haufen Arbeit, viel Nachdenken und Überlegen. Aber die Serie hat sich bei den Leuten festgesetzt, man kannte sie.

Kommen diese Leute manchmal zu dir und sagen: „Sei mal witzig!“?
Inzwischen tun sie das nicht mehr so oft. Wir Comedy-Autoren sind meistens ja auch gar nicht diese Leute, die in einen Raum reinkommen, der Spot geht an und dann sind sie der Witz in Person. Wir sind wahrscheinlich eher die Denker. Es gibt auch Typen, die beides können – die stehen dann aber meistens auf Bühnen. Und selbst diese ganzen guten Comedians, die man so kennt, haben ja noch Gastautoren.
Unter den Radioleuten gibt es aber eher wenige schillernde Persönlichkeiten. Es ist aber auch ganz praktisch, ein bisschen unauffälliger zu sein, weil man die Menschen dann besser beobachten kann. Das bringt einen auf Ideen.
Ab und zu passiert es mir aber schon, dass Leute meinen, ich müsste jetzt auf der Stelle witzig sein – und dann ist es natürlich immer so, dass einem genau in dem Moment überhaupt nichts einfällt.

einslive.de
Hennings beste Serie: „Die tauben DJs“ bei Einslive