Mando Diao live - viel zu viel ShowMando Diao ist eine verdammt gute Liveband. Das dachte ich bisher zumindest. Schließlich war ich schon in den Genuss der “Hurricane Bar”–Tour 2005 und der “Ode To Ochrasy”–Tour 2006 gekommen – zwei geniale Konzerte. Und nun die “Give Me Fire”–Tour. Endlich!
In freudiger Erwartung eines grandiosen Konzertes tanzten wir am 8. April zum Palladium. Doch bereits am Eingang wartete die erste Ernüchterung auf uns: Der Bereich unmittelbar vor der Bühne war abgesperrt. Da wir natürlich nicht gerade überpünktlich kamen, durften wir uns hinter den sogenannten Wellenbrecher stellen. Dadurch ging die Nähe zur Bühne flöten. Von der Vorband The View bekamen wir aufgrund unserer Verspätung leider nicht mehr viel mit, aber das, was wir hörten, war gut.
Um neun Uhr betraten Mando Diao die Bühne und begannen mit dem Lied „Sheepdog“, sehr dynamisch, fast wie früher – aber eben nur fast. Mit dem neuen Album und dem neuen Stil hat sich auch die Live-Performance geändert: Die Musik war plötzlich Nebensache, jetzt drehten sich bunt leuchtende Diskokugeln über der Bühne und Background-Sängerinnen tanzten im Schatten der Band. Ein ziemlicher Schock für jeden Mando Diao-Fan, war man doch aus den wilden alten Zeiten fünf rockende Musiker mit nackten Oberkörpern gewöhnt, die alles gaben. Und nicht nur das Drumherum, sondern auch die nun folgenden neuen Lieder konnten nicht überzeugen. Das Lied „High Heels“ zum Beispiel hätte man genauso gut von der CD abspielen können, es war einfach nur langweilig.
Auch das Publikum hat sich verändert. Zu den Feinschmeckern der Rockmusik gesellt sich nun die Bravo-Leserschaft, welche wahrscheinlich von dem ganzen Hype um die neuen Singles „Dance With Somebody“ und „Gloria“ angezogen wurde. So kam es, dass zumindest die ersten 45 Minuten des Konzertes als komplette Geldverschwendung erschienen.
Dann jedoch stieg die Qualität des Konzertes erheblich. Die beiden Frontmänner Björn und Gustav spielten allein drei Akustiklieder und als der Rest der Band wieder die Bühne betrat, wurden endlich die schnellen alten Lieder gespielt. Mit Songs wie „God Knows“ und „Down In The Past“ wurden die Versäumnisse der ersten Konzerthälfte wieder gut gemacht. Aus der hochmodernen Show wurde ein Mando Diao-Konzert, so wie man es gewohnt war. Es wurde wieder richtig getanzt (und zwar kein Disco-Fox!), und auch die Verbindung zwischen Band und Publikum stimmte nun. Doch leider neigte sich das Konzert an genau dieser Stelle dem Ende zu, der Song „Long Before Rock’n'Roll“ sollte der letzte Höhepunkt bleiben. Nach fast 100 Minuten war dann Schluss und Mando Diao verabschiedete sich vom Kölner Publikum.
Unterm Strich stand so ein gutes, aber letztlich enttäuschendes Konzert – verglichen mit dem, was der Fan von Mando Diao gewöhnt war. Früher war eben doch alles besser.