Michael, wie groß ist überhaupt die Wahrscheinlichkeit, dass du im Laufe deiner Karriere nach Afghanistan musst?
Michael: 100 Prozent.
Und wenn du im Fernsehen Bilder von den deutschen Soldaten dort siehst – hast du dann keine Angst?
Michael: Nein, ich sehe eigentlich mehr die positiven Aspekte. In meinem Fall ist die Gefahr auch abgeschwächt, weil ich mich auf den Flugabwehrraketendienst spezialisieren werde und nicht an vorderster Front Patrouille fahren muss. Trotzdem denke ich jeden Tag darüber nach, und natürlich ist das nicht ungefährlich. Aber wer davor Angst hat, sollte auch nicht zur Bundeswehr gehen.
Simon, was hast du gedacht, als du gehört hast, dass Michael sich verpflichtet?
Simon: Ich kann es nicht verstehen. Für mich wären weder das Geld noch der Offizierstitel ein Anreiz, allein schon wegen der Wahrscheinlichkeit, nach Afghanistan zu müssen. Schrecken dich denn solche Zwischenfälle wie die Totenschädelfotos von deutschen Soldaten gar nicht ab?
Michael: Das sind doch wirklich Einzelfälle von Idioten, die das Bild der Bundeswehr schlecht machen.
Das Ansehen der Bundeswehr ist in den letzten Jahren stark gesunken. Bundespräsident Horst Köhler spricht vom „freundlichen Desinteresse“ der Bevölkerung.
Michael: Ja, in Deutschland sind Soldaten teilweise schon verpönt. Dabei tut man ja was für die Menschen hier, das machen die sich gar nicht klar. Das ist sehr schade.
Simon: Ich finde es gut, dass das nicht so angesehen ist. Krankenschwestern und Feuerwehrmänner tun ja auch viel für die Menschen und sind nicht höher angesehen.
In den USA sind – vor allem seit dem 11. September – sowohl Soldaten als auch Feuerwehrmänner geradezu Helden. Sollten die Deutschen sich daran ein Beispiel nehmen?
Simon: Lieber nicht. Soldaten werden dazu ausgebildet, im Krieg Menschen zu töten. Das können doch keine Helden sein.
Michael: Für mich sind Helden Leute, die sich sozial besonders engagieren. Das kann ein Arzt sein, der viele Leben gerettet hat, aber genauso gut ein Soldat, der zum zivilen Wiederaufbau in Afghanistan beigetragen hat.
Simon: Stimmt, ein Held ist jemand, der sich sozial einsetzt. Aber du könntest für mich kein Held sein, schließlich bist du nicht nur aus ideellen Gründen Soldat, sonders auch wegen des Geldes.
Michael: Ich habe auch nie daran gedacht, ein Held zu werden. Ich will einfach meinen Beruf so gut wie möglich machen.
Simon: Ich mache das auch nicht für mich oder um heldenhaft zu sein, sondern für die Menschen.
Vielleicht gehört es auch zur Definition eines Helden, dass er sich selbst gar nicht so nennt. Findet ihr es denn naiv, an eine „heldenhafte Welt“ zu glauben, in der es keinen Krieg mehr gibt?
Simon: Nein! Das klingt vielleicht ein bisschen idealistisch, aber wo kämen wir denn hin, wenn wir gar keine Ideale mehr hätten? Ich finde, wir sollten so eine Welt anstreben, aber eben nicht mit Krieg. Damit schafft man keinen Frieden.
Michael: Ich wünsche mir eine friedliche Welt und arbeite in der Bundeswehr ja auch dafür. Trotzdem glaube ich nicht, dass es irgendwann eine Welt ohne Krieg geben wird – dafür sind die Menschen einfach zu schlecht.
zivildienst.de
Das Bundesamt für den Zivildienst erklärt, wie man verweigert, und hilft bei der Suche nach einem freien Platz.bundeswehr-karriere.de
Hier findest du alle Informationen zu den Jobs bei der Bundeswehr – mit und ohne Uniform.rausvonzuhaus.de
Du bist ein Mädchen oder ausgemustert, willst aber trotzdem einen sozialen Dienst machen? Hier gibts die Infos.






9 Kommentare zu diesem Artikel
1
Hallo Redaktion und besonders Eva!
Hast da einen super Artikel draus gemacht und die Bilder sind auch echt klasse geworden! Ich denke, dass der Artikel sehr informativ ist für alle die sich noch nicht soo damit beschäftigt haben!
Falls noch irgendjemand eine Frage hat zur Bundeswehr, kann ich natürlich auch so gut es mir möglich ist weiterhelfen ;)
Gruß
Michael
2
Cooler Artikel !!!
3
Sehr guter Artikel, Eva, und sowieso ein ganz spannendes und nicht ganz einfaches Thema. Ich kann prinzipiell eher Simons Einstellung nachvollziehen. Andererseits hat Michael natürlich recht, dass die Bundeswehr nicht primär für den Krieg, sondern eher für die Schaffung von Frieden zuständig ist. Aber hier kommt eben die große Frage ins Spiel, inwiefern ein bewaffneter Mensch, der sich bereit erklärt hat, im Ernstfall Menschen zu töten, für eine wirklich friedvolle Atmosphäre sorgen kann … Fest steht für mich jedenfalls, dass ich zwar Respekt vor Soldaten habe, aber nie und nimmer selbst einer sein könnte – eben wegen der Gewissensbisse, über die Simon redet.
4
Und allen, die sich dem Wehrdienst verweigern, empfehle ich das Freiwillige Soziale Jahr in der Kultur. Bewerbungsschluss 31. März. Infos findet ihr auf den ausgelegten Flyern in eurer Schule, auf unserer Website oder ihr ruft mich an 0234/286041.
Beste Grüße
Roman
5
Mehr von der Freiwilligenpropaganda:
Für Mädchen oder Ausgemusterte* interessant, die sich zwischen 6 und 12 Monaten freiwillig vor allem im europäischen Ausland engagieren wollen: der Europäische Freiwilligendienst.
Infos gibt es zB hier http://www.jugend-in-aktion.de/europaeischer-freiwilligendienst/ oder hier http://www.experiment-ev.de/site/content/view/9/13/lang,german/ . Wer Fragen hat, kann mich gerne über meine Website kontaktieren.
* Der EFD gilt noch nicht als anerkannter Wehrdienstersatz.
6
an Christoph:
wie genau denkst du denn soll sonst eine Art Frieden hergestellt werden wenn auf der Welt Menschen mit Bombengürteln oder geschmuggelten Waffen rumlaufen? Ein Soldat erschießt bestimmt nciht grundlos einen Menschen. Und ich sehe das so: besser ich schieße auf einen Terroristen, als dass er mich oder viele andere Menschen in Gefahr bringt oder tötet. Falls du das anders siehst, bitte schreib was dazu :-)
Eine Waffe ist immer das Werkzeug eines Menschen und nur in letzter Konsequenz zu benutzen. Und das nur sehr bedacht. Ein Soldat wird also nicht grundlos einen Menschen töten. Wenn es zum Äußersten kommt, dann nur weil es keine andere Möglichkeit gibt.
Außerdem baut die BW in Afghanistan hauptsächlich das Land wieder auf, bewacht wichtige Stellungen und bildet die Afghanische Polizei aus.
7
Toller Artikel!
Es ist schön, beide Seiten zu hören, damit man eine eigene Meinung bilden kann. Beide argumentieren sinnvoll und machen ihre entscheidung verständlich. Vor allem find ich gut, dass keinr als held dastehen möchte, sie bleiben realistisch und ehrlich.
Auch die fotos sind nicht schlecht.
8
Der Artikel ist gut gescrieben, denn er gibt den inhalt passend wieder. Ich verstehe Michael allerdings nicht so ganz, denn bei Grouls haben wir gelernt, dass die Bundeswehr ursprünglich nur dazu da war, Deutschland zu schützen. In diesem Fall machen die Soldaten ja wirklich was für Deutschland, aber wenn sie in Afgahnistan Leute erschießen ist dass ja nicht so.
9
[...] Marie, 9. März 2009 Illustrationen: Christoph Rauscher 1. Preis “Interview” SPIEGEL Schülerzeitungswettbewerb 2. Preis “Foto” SPIEGEL Schülerzeitungswettbewerb [...]
Was sagst du dazu?