Julia Popovic, 20, ist in der Ukraine geboren, hat mehrere Jahre in Russland gewohnt und ist dann nach Deutschland gekommen, wo ihr Vater und ihre Großeltern leben. In wenigen Wochen macht sie an unserer Schule ihr Abitur.
Julia, wie hast du so gut Deutsch gelernt? Niemand, der dich reden hört, würde auf die Idee kommen, dass deine Muttersprache Russisch ist!
Als ich mit zehn Jahren nach Deutschland kam, hat meine Oma mich unter ihre Fittiche genommen und viel mit mir geübt. Außerdem wurde ich in der Grundschule durch zusätzlichen Deutschunterricht gefördert. In Russland hatte ich schon ziemlich gute Noten, und so ging das Lernen relativ schnell, obwohl ich eigentlich nie Lust hatte. Man hat mich dazu gezwungen, aber heute bin ich dafür sehr dankbar.
Russisch sprichst du aber auch noch, oder?
Russische Texte zu lesen fällt mir inzwischen sehr schwer. Und auch Sprechen kann ich schon lange nicht mehr fließend. Wenn ich mit meiner Mutter, die in Moskau lebt und kein Deutsch kann, telefoniere, muss ich manchmal erst überlegen oder die Begriffe umschreiben. Zum Wörterbuch greifen musste ich aber zum Glück noch nie! Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, die eigene Muttersprache nicht mehr richtig zu beherrschen.
Warum nimmst du dann nicht am Russischunterricht in unserer Schule teil?
Das durfte ich nicht! Als es in der 10. Klasse darum ging, die Kurse zu wählen, hätte ich Russisch sehr gern genommen. Die Schulleitung hat mir das jedoch nicht erlaubt, weil ich durch meine Herkunft einen gewissen Vorsprung gehabt hätte. Aber ich merke ja selbst, wie großen Nachholbedarf ich habe und wie wichtig die Praxis ist. Der Russischunterricht hätte mir da viel gebracht, auch für das Studium, das ich nun anstrebe.
Was möchtest du denn studieren?
Mein Wunschfach sind Osteuropastudien mit Schwerpunkt Soziologie oder VWL. So kann ich meine Herkunft in den Beruf einbringen, näher an meiner Familie in Russland sein und zum Miteinander von Europa, von Ost und West, beitragen.
Hast du eigentlich eine Lieblingssprache?
Am liebsten mag ich Englisch. Das steht für internationalen Kontakt, weil es jeder versteht. Ich bin aber sowieso ein Sprachenfan. Wenn die Zeit ausreicht, möchte ich neben meinem Studium anfangen, Französisch zu lernen.
Interview: Eva Schulz
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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Es ist echt interessant mal zu hören, was die Leute hier so über ihre Muttersprachen und das Land denken.
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sehr interessant mal zuhören was diese drei über ihre abstammung zu sagen haben
Was sagst du dazu?