Wie bringe ich meinen Interviewpartner am besten zum Reden? Inwieweit darf ich seine Antworten verändern und wie gehe ich bei Recherchearbeiten am besten vor? Diesen Fragen widmeten wir uns ein ganzes Wochenende lang.
In Bonn begrüßten uns dazu die Junge Presse NRW sowie der Verein zur Förderung politischen Handelns (v.f.h.). Moment mal – politisches Handeln? Ging es nicht um Interviews und Recherchen? Ja, richtig, aber unser Wochenende stand ganz im Zeichen der Entwicklungspolitik. Anhand dieses Themas wurden uns die Tücken des sorgfältigen Informierens und des richtigen Fragestellens deutlich gemacht.
Das Seminar begann mit einer Einführung in diese hochspannende Thematik. Klar, die Probleme der Dritten Welt kennt jeder: Hunger, Armut, mangelnde Hygiene. Aber nur die wenigsten kennen die genauen Hintergründe, und das wichtigste: Kaum jemand geht ohne Vorurteile an dieses Thema heran!
Michael Ohnesorge vom v.f.h. führte und unter eben diesen Aspekten an das Thema Entwicklungspolitik heran. Er klärte uns über wirtschaftliche Projekte wie zum Beispiel dem „fair trade“ auf. Bei diesem „fairen Handel“ bekommen die Bauern in Afrika für ihre Arbeit einen gerechten Lohn nach europäischen Standards.
Ohnesorge machte uns außerdem die Zusammenhänge unserer Lebenskultur mit den Problemen in Afrika klar. So soll zum Beispiel H&M laut Presseberichten mit Hilfe von Kinderarbeit produzieren, was durch einen Einkauf in einer solchen Filiale natürlich gefördert werden würde.
Mit diesem Basiswissen waren wir für die schwierigen Aufgaben am nächsten Tag gerüstet. Wir sollten in Bonns Innenstadt fahren, um über verschiedene Gesichtspunkte der Entwicklungspolitik zu berichten und Gespräche zu führen. Nach einer Einführung in die Geheimnisse des Interviewführens durch den Vorsitzenden der Jungen Presse, Felix Winnands, machten sich die Teilnehmer voller Zuversicht auf den Weg in die ehemalige Landeshauptstadt.
Leider gestaltete sich diese Ausführung unseres Planes nicht so einfach wie gedacht: An einem Samstag stehen sämtliche Geschäftsleute oder Gesprächspartner aus Ministerien nicht zur Verfügung, und auch der Einzelhandel schloss gegen Mittag die Türen. Doch wir ließen uns nicht aus dem Konzept bringen und lernten gegen Ende des Tages, umzudenken und zu improvisieren.
So hatte jeder von uns doch noch irgendeinen Gesprächspartner gefunden. Sei es ein Reformhausbesitzer oder ein Tchibokunde, der fair gehandelten Kaffee trank, oder einfach einen Passanten, der regelmäßig für die Dritte Welt spendete.
Unsere Artikel wurden von allen Teilnehmern genaustens unter die Lupe genommen. So konnten wir viele gute Tipps und Kniffe mit nach Hause nehmen, die wir auch in Zukunft gut gebrauchen können.