Begriff eingeben, Suche starten – einfacher kann man es kaum haben. „Einmal hin, alles drin“ könnte der Wikipedia-Slogan lauten.
Die Online-Enzyklopädie umfasst derzeit mehr als 830 000 Artikel. „Dahinter steckt viel Arbeit, aber ich finde es schön, anderen Leuten durch mein Fachwissen zu helfen“, erklärt Marc-Phillip Beuter, 17, seine Motivation. „Durch Wikipedia habe ich gute Kontakte zu Usern im Ausland geknüpft, und es kommt zu teilweise echt lustigen Diskussionen über Themen wie Sprache und Politik.“
Tatsächlich stehen hinter dem Projekt allein in Deutschland über 7000 angemeldete Benutzer, die in ihrer Freizeit an der Verbesserung von Wikipedia arbeiten. Diese ehrenamtliche Leistung wird oft übersehen und leider auch kritisiert. Denn im Gegensatz zu anderen Wikis wird bei Wikipedia niemand für seine Arbeit bezahlt. Das entspricht ganz dem Grundsatz, den Jimmy Wales gefasst hat, als er 2001 das Projekt ins Rollen brachte.
Zwei Jahre später gründet er die Wikimedia Foundation, eine amerikanische Non-Profit Organisation, die ständig neuere und bessere Wikisysteme entwickelt und auf deren Servern sämtliche Wiki-Projekte laufen. Erstaunlich ist auch, dass Wikipedia in 250 weiteren Sprachen existiert.
Alle Artikel stehen unter der GNU Lizenz. Das heißt, jeder hat Zugang dazu und kann die Artikel verändern. „Das ist sehr benutzerfreundlich“, findet Marc-Phillip, „doch leider gibt es dadurch schon mal Vandale oder Artikel, die nur mit Halbwissen geschrieben wurden. Das kann ziemlich nerven.“
Dies ist auch der größte Kritikpunkt, der häufig von unseren Lehrern aufgeführt wird. Sätze wie „Wikipedia stimmt zum Großteil nicht“ sollen Schüler daran hindern, die Hausaufgabe einfach auszudrucken. Doch können sich die Lehrer nicht ewig der neuen Technologie entziehen – Informationen mühselig aus Büchern zu holen war gestern.
Mitunter haben sie jedoch recht, denn Wikipedia kommt um die ein oder andere Panne nicht herum. Ein bekannter Skandal ist der des Kennedy-Beraters Seigenthaler: In Wikipedia wurde eine Biografie veröffentlicht, nach der er etwas mit dem Mord an dem Präsidenten zu tun gehabt haben soll.
Ebenfalls ist der ehemalige Benutzer Essjay, der sich fälschlicherweise als Professor ausgegeben hatte, einfach zum höchsten Rang befördert worden. Das mag unwichtiger klingen, als es ist: Als Administrator hat man viele Möglichkeiten, das Wiki zu missbrauchen. Das war 2006 im US-Kongress der Fall: Von dort aus wurden Artikel über mehrere hochrangige Politiker gefälscht, um sie zu verunglimpfen oder besser darzustellen.
Es gab auch schon große Urheberrechtsverletzungen, beim größten (2005 wurden Artikel einfach aus einem DDR-Lexikon abgeschrieben) mussten am Ende fast 1000 Artikel gelöscht werden. Leider fanden auch schon mehrere rechtsextremistische Beiträge den Weg in die Wikipedia.
Totzdem: Den „guten“ Artikel gibt es immer noch. Doch wie viel Arbeit dahinter steckt, ist vielen Leuten gar nicht klar. Folgende Punkte sind bei der Erstellung zu beachten:
Stehen die verwendeten Abbildungen unter einer Lizenz? Eine ausdrückliche Erlaubnis des Urhebers wird dringend benötigt.
Ist der Artikel sachlich verfasst? Umgangssprachliche Ausdrücke haben in der Wikipedia nichts zu suchen.
Ist der Autor objektiv geblieben? In den Quellen darf der Autor gerne auf Meinungen anderer Leute verweisen, in den Artikel selbst gehören jedoch keine persönlichen Ansichten.
Woher bezieht der Autor seine Informationen? Eine Quellenangabe ist unbedingt erforderlich.
Zum Abschluss ist zu sagen, dass ein Besuch bei Wikipedia auf alle Fälle was wert ist, zumal Wikipedia sich mittlerweile zu einem Portal entwickelt hat, das weit über ein simples Nachschlagewerk hinausgeht.
Übersichtlich werden auf der Hauptseite die aktuellen Nachrichten, geschichtliche Daten zum aktuellen Tag und ein kompakter „Schon gewusst…?“-Kasten aufgeführt. Mit Vorsicht zu genießen ist sicher der Eindruck, die Wikipedia sei allwissend und immer wahr – dem stimmt auch Marc-Philipp zu, aber auf Richtigkeit sollte man ja sowieso nie blind vertrauen.

de.wikipedia.org
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