Mal ganz ehrlich. Ich fühle mich wirklich alt, wenn ich das sage, aber: Früher war alles besser!
Gut, vielleicht nicht alles. Aber ich bin mir sicher, dass ich im Alter von elf Jahren noch Respekt vor Oberstufenschülern hatte. Oder vor Mittelstufenschülern. Eigentlich vor allen, die größer waren als ich, was zu dem Zeitpunkt auf etwa 90 Prozent der Schülerschaft zutraf. Man hatte sich im Bus einfach nicht neben die Älteren, Größeren, schlichtweg Cooleren zu setzen. Nein, man stand 20 Minuten lang.
Ähnliche Szenarien ereigneten sich im Kakaokeller: Betrat denselbigen jemand, der mindestens zwei Jahre älter war als der Durchschnitt, wurde sofort ein Spalier gebildet. Bei grimmig dreinblickenden Schülern sammelten wir zur Not auch noch Spendengeld, um sie mit einer Extra-Portion Kakao zu besänftigen.
Aber heute sieht das völlig anders aus! Erst neulich zwängte ich mich sitzplatzsuchend durch den Linienbus und erspähte tatsächlich noch ein Plätzchen neben einem blondgelockten Jüngling. Doch auf meine eigentlich rhetorisch gedachte Frage, ob ich neben ihm sitzen könne, blafft der Bengel mich nur frech an: “Nö, meine Tonne sitzt da, siehst du doch!”
So geht das in einem fort und ich frage mich, wo diese beängstigende Entwicklung ihren Ursprung hat. Liegt es an der zunehmend antiautoritären Erziehung der Eltern? Hat der gemeine Fünfer am Ende im Laufe der Evolution ein Gen entwickelt, das ihn befähigt, den bösen Blicken älterer Schüler standzuhalten?
Ich fürchte, dieses Mysterium wird während meiner Schulzeit wohl nicht mehr aufgeklärt werden können. Da bleibt mir nur noch zu sagen: Kommt ihr mal in unser Alter, dann werdet ihr schon sehen, wie das ist!

Und was hältst du von den 5ern?

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