Jedes Kleidungsstück ist eine Aussage. Jedes Kleidungsstück hat eine Geschichte – der Palischal ganz besonders. Wenn man Mädchen, die nicht älter als 13 Jahre sind, mit einem Palischal um den Hals durch die Straßen laufen sieht, stellt sich da nicht die Frage, ob sie auch den Hintergrund und die Bedeutung von dem kennen, was sie da tragen?

Die Unwissenheit fängt schon beim Namen an. Würde man nämlich eines dieser Mädchen (oder auch einer der Jungs, die tragen ihn ja auch!) fragen, woher der Palischal seine Bedeutung hat, könnte wohl keiner sagen, dass er eigentlich Palästinensertuch heißt und ursprünglich mit Kufiya betitelt wurde.
Die Kufiya war ein Teil der alten Tracht in der irakischen Stadt Kufa und wurde während des arabischen Aufstands in den 30er Jahren als Symbol der Selbstbestimmung getragen. Sie galt außerdem als Protestzeichen gegen die Kolonialisierung und auch gegen die jüdische Besiedlung. Zudem war sie ein Symbol des Klassenbewusstseins, da sie nur vom ärmeren Teil der Bevölkerung getragen wurde.
In den 60er Jahren erlebte das Palituch ein kleines Comeback, als Jassir Arafat und Andere es trugen, um die Verbundenheit zu ihrem Volk deutlich zu machen. Seitdem wird es auch in Deutschland oft getragen. Ob von Linken, die nur den Willen zu einem undefinierten Widerstand ausdrücken wollen, oder Rechten, die es tragen, um den Palästinensern ihre Zustimmung zu deren Haltung zu verdeutlichen.
Bei einer Straßenumfrage in Frankfurt stellte sich heraus, dass Jugendliche das Tuch vor allem deshalb tragen, weil es momentan trendy ist und alle es tragen. Weil man dazugehören will – nicht zu einer politischen Richtung, sondern zu einem Modetrend. Nur eine der vielen Befragten erwähnte den Nahost-Konflikt. Von der politischen Richtung ist also nicht übrig geblieben. Das ursprünglich in schwarz-weiß getragene Tuch hat sich als Accessoire durchgesetzt.
Bis es wieder out ist. Und dann bis zum nächsten Comeback.

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