„Marie Antoinette“ ist nach „Lost in Translation“ der nächste Geniestreich von Sofia Coppola. Er erzählt die Geschichte der jüngsten Tochter der österreichischen Kaiserin Maria Theresia, die Mitte des 18. Jahrhunderts aus politischen Gründen mit dem französischen Thronfolger Louis XVI. verheiratet wird. Gegen ihren Willen muss Marie Antoinette im Alter von 14 Jahren alles hinter sich lassen, um in Frankreich ein völlig neues und nicht immer angenehmes Leben zu beginnen. Zwar lebt sie dort im absoluten Überfluss, kann sich prunkvoll kleiden und ausgelassene Feste feiern, doch stößt sie nicht zuletzt von Seiten ihres Ehegatten auf Kälte und Ablehnung.
Basierend auf einer neuen Biografie von Bestseller-Autorin Antonia Fraser beschreibt der Film das Leben Marie Antoinettes einmal nicht aus dem französischen Blickwinkel. Dort hat die Königin nämlich bis heute einen eher schlechten Ruf. Regisseurin Sofia Coppola entdeckt die verletzlichen, die kindlichen Seiten einer Jugendlichen, auf deren Schultern so viel Verantwortung lastete.
Was nach einem stumpfen Kostümfilm klingt, ist eine bunte Pop-Überraschung: Statt öden Menuetten erklingen The Strokes, The Cure, New Order. Zudem erwecken kleinste Einstellungen, kürzeste Sequenzen wie das Spielen mit einem Gelee den Eindruck, es handele sich um die Jugendlichen von heute. Und erst die Farben! Marie Antoinettes goldener Käfig ist so prächtig, farbig, voll, ihre Kleider und Frisuren noch unbeschreiblicher. Dabei wurde sich vielleicht nicht immer an die historischen Grundlagen gehalten, aber es fällt recht leicht, den Inhalt zu filtern und zur Not das Wahre vom Erfundenen zu trennen.
Es ist toll, wie dieser Film ohne viel Dialog auskommt und stattdessen mit mächtigen Bildern überhäuft, wie er spätestens mit der ersten Ballszene die Glieder zum Zucken bringt und schließlich nicht einmal ein pompöses Ende benötigt. Kirsten Dunst spielt natürlich wunderbar, tanzt einem noch eine Woche später durch den Kopf, und Jason Schwartzman als penibler Schnickelfritz ist einfach herrlich krampfig.
„Marie Antoinette“ ist Popkultur auf höchstem Niveau, welche man auf keinen Fall verpassen sollte. Die Hauptfigur hätte diesen Film geliebt, und diese Musik und diese Feste und diese Wildheit und diese Melancholie – und Sofia Coppola.

“Marie Antoinette” ist kürzlich auf DVD erschienen. Neben einem ausführlichen Making Of bietet die DVD viele weitere Extras. Sie kostet etwa 18 Euro.