“Meine Freunde glauben alle nicht, dass ich es schaffeâ€, erklärt mir Anna-Sophie Platte, 16, an einem Montag im August. Es ist große Pause und Anna verzichtet für eine Woche auf ihr Handy. “Pass bloß auf, dass die SIM-Karte noch drin ist!â€, warnten mich Bekannte von ihr vorher. Anna ist bekannt dafür, ihr Handy überall dabeizuhaben und es häufig zu benutzen. Entsprechend wehmütig schaut sie drein, als ich es einstecke.
“Ich habe mir schon alle wichtigen Nummern rausgeschrieben und die ganzen Termine umgetragenâ€, erzählt sie. Denn Anna nutzt ihr Nokia nicht bloß zum Telefonieren: Regelmäßig wird sie davon auch geweckt oder an irgend etwas erinnert, sie macht Fotos und verschickt SMS. Das Ganze läuft per Vertrag – die Grundgebühr zahlen ihre Eltern, den Rest sie selbst. Und das ist manchmal nicht ohne: Bis zu 150 Euro beträgt Annas Handyrechnung am Ende eines Monats. Diesen August wird es weniger sein.
In den folgenden Tagen laufen wir uns immer mal wieder über den Weg. Nachdem sie sich den routinemäßigen Griff in die Hosentasche abgewöhnt hat, erkennt Anna auch die ein oder andere gute Seite an dem Experiment: “Jetzt klingelts wenigstens nicht mehr im Unterricht!†Das ist ihr nämlich durchaus schon passiert. Einmal fing eine Freundin einfach ganz laut an zu singen, damit der Lehrer vorn nichts mitbekam.
Während Anna ganz gut zurechtkommt, sind ihre Eltern weniger begeistert. “Meine Mutter muss mich morgens wieder weckenâ€, sagt Anna, die ihr erstes Handy mit elf bekam, “und sie finden es blöd, dass sie mich nicht mehr überall erreichen können.†Auch ihre Freunde fragen schon nach. Einmal kommt Anna sogar zu spät zum Tennistraining – weil ihr Handy sie nicht daran erinnert hat.
Entsprechend froh ist sie am nächsten Montag, als sie ihr Handy endlich zurückbekommt. “Ruhig warsâ€, sagt sie und schaltet es ein – “wie war noch mal meine Pin?†Der Stolz, es geschafft zu haben, mischt sich mit der Freude darüber, dass entgegen ihrer Ängste jemand an sie gedacht hat: Während der Woche haben ihr fünf Leute auf die Mailbox gesprochen, 14 mal hat man versucht, sie zu erreichen, und im Posteingang warten elf ungelesene SMS.






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