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Meine Eltern sagen, solange sie selbst jung und ihre Kinder noch im Haus sind, sollten wir alle so viel wie möglich von der Welt sehen. Für Europa ist später noch Zeit. Später wollten wir aber nicht nach Vietnam fahren, denn allmählich entdeckt die Reisebranche das Ziel für sich. Es war eine gute Erfahrung, das Land noch halbwegs ursprünglich und unberührt vom Massentourismus zu erleben.
Es war ein Bild wie aus meinem alten Kinderlexikon, als wir aus dem Flughafen herauskamen und gleich die Menschen mit ihren spitzen Hüten auf den Reisfeldern arbeiten sahen. Das begegnete uns ganz oft: Anblicke wie aus dem Bilderbuch – die aber genau das Gegenteil sind. Die meisten Vietnamesen arbeiten als Bauern. Sie sind sehr arm und jedes Jahr aufs Neue abhängig von der jeweiligen Ernte. Im Vergleich zu Europa kommen sie mit einem Gehalt von etwa 30 Euro pro Monat aus.
In Hoi An, einer der größten Städte Vietnams, trafen wir einen Bekannten meiner Mutter. Er kommt aus Deutschland, wanderte aber vor einigen Jahren nach Vietnam aus, weil er sich dort verliebt hat. Er und seine Frau konnten uns vieles zeigen, zum Beispiel haben wir mit ihnen vietnamesisch gekocht.
An den Namen der Frau erinnere ich mich nicht mehr, er war so kompliziert. Ich glaube, Vietnamesen sprechen sich sowieso nicht mit Vornamen an, sondern mit „Frau des Hauses“, oder so. Mit ihr war ich einmal auf einem Markt. Die Märkte sind, wie überhaupt die vietnamesischen Städte, sehr voll und sehr, sehr laut. Jede Menge Gemüse wird dort verkauft. Es wird nicht an Ständen präsentiert, sondern liegt einfach auf dem Boden. Mitten auf dem Markt hielt mich plötzlich eine fremde Frau am Arm fest und all ihre Freundinnen stürmten herbei. Sie fassten mich überall an, vor allem an der Nase – die finden sie so schön lang.
Als Tourist wird man auf den Märkten garantiert über den Tisch gezogen. Zum Beispiel habe ich mir ein Kleid gekauft, das 240 000 Dong kostete, das sind ungefähr zwölf Euro. Eine Vietnamesin hätte niemals so viel bezahlt.
In ganz Vietnam gibt es kaum Autos, dafür aber jede Menge Motorroller. Darauf sitzen entweder ganz viele Menschen – oder sie sind voll beladen, mit was auch immer: Lebensmittel, Ziegelsteine… Natürlich wird sich an kein Verkehrsgesetz gehalten. Ein absolutes Verkehrschaos, zu jeder Zeit! Auch die Taxis sind übrigens Mofas. Ich war es nicht gewohnt, dass mir während der Fahrt Körbe ins Gesicht fliegen.
Beeindruckend war auch unser Besuch in einer Mönchschule. Jungs werden mit sechs Jahren dort hingeschickt. Wenn sie neun sind, entscheiden die Eltern, ob sie bleiben sollen. Falls ja, wird ihnen der Kopf zur Hälfte rasiert. Im Alter von zwölf Jahren entscheiden die Schüler selbst, ob sie Mönch werden wollen. Dann rasieren sie den ganzen Kopf. Während dieser Zeit ist eine Holzkiste das einzige, was man dem Mönchschüler an Privatsphäre zugesteht. Sie wird für den Unterricht als Tisch benutzt und abends aufgeklappt, um darin zu schlafen.
Wenn ich heute an Vietnam denke, denke ich zuerst an die Lautstärke, das Gedränge. Es war so schön, wieder zuhause zu sein: Wir kamen aus dem Flughafen, und ganz plötzlich war es einfach nur noch ruhig.
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