Nick Probst hat ein mulmiges Gefühl. Ab der nächsten Woche wird im Leben des 17jährigen nichts mehr so sein, wie es einmal war. Gemeinsam mit seinen Eltern und dem Familienhund wandert er nach Nairobi aus, das ist in Kenia und ziemlich weit weg.
„Mein Vater ist Militärattaché bei der Bundeswehr“, erklärt Nick. „Er hat das Angebot bekommen, in Kenia für die deutsche Botschaft zu arbeiten, vier Jahre lang.“ Es ist nicht das erste Mal, dass die Probsts so ein Abenteuer erleben. Sie wohnten bereits für drei Jahre in Texas in den USA, da war Nick etwa zehn.
„Aber das war etwas ganz anderes“, sagt er. „Von Amerika hatte ich noch eine Vorstellung, das konnte ich einordnen. Aber bei Afrika weiß ich überhaupt nicht, was auf mich zukommt.“
Er hat vor allem Angst, dass sein Leben dort eingeschränkter sein wird als in Deutschland. „Wir werden in einer Siedlung wohnen, in der Botschafterfamilien aus aller Welt leben. Jedes Grundstück ist da extra eingezäunt und wird von einem eigenen Wärter bewacht.“ Nicks Familie wird auch Angestellte haben, einen Koch zum Beispiel und einen Gärtner. Was so komfortabel klingt, kommt ihm aber eher gespenstisch vor: „Die Angestellten werden im unteren Stock wohnen, wir im oberen. Im Treppenhaus gibt es noch mal ein extra Gitter, das wir abends abschließen, damit sie uns nachts nicht überfallen.“ Nick fragt sich, ob es ihm unter solchen Umständen überhaupt möglich sein wird, mal allein über einen Markt zu laufen.
Mit solchen Problemen musste sich Lesley-Ann Johnston, 16, nicht herumschlagen, als sie im vergangen Juni mit ihrer Familie nach Australien auswanderte. Die ehemalige Schülerin unseres Gymnasiums musste sich auch nicht gegen Malaria und andere Krankheiten impfen lassen wie Nick. Stattdessen verpackte sie ihr ganzes Leben in Kisten, wie sie sagt, und half ihrer Mutter bei all dem bürokratischen Kram, der so anfällt, wenn man sein Leben auf ein anderes Land umstellt.
Auch bei ihr hat der Vater einen Job im Ausland angeboten bekommen. Als Allgemeinmediziner will Dr. Johnston zunächst ein Jahr lang in der Hauptstadt Canberra arbeiten. Dann entscheiden Kinder und Eltern gemeinsam, ob sie ihre Zeit auf dem fünften Kontinent verlängern.
Nach dem, was Lesley erzählt, wird sie wohl dafür stimmen. „Die Leute hier sind offener und freundlicher als in Deutschland“, sagt sie. „Die Schule gefällt mir auch besser. Da geht es viel entspannter zu.“ Lesley besucht ein normales australisches College und hat dort Ganztagsunterricht. Doch das macht ihr nichts aus.
„Ein richtiger Minuspunkt ist aber das Essen. Die Australier kennen nur Fast Food“, bemängelt Lesley. Ihr Bruder und sie haben dafür eine „deutsche“ Lösung gefunden: Mittags in der Schule gibt es selbstgemachte Sandwiches, und abends wird dann mit der Familie „etwas Richtiges“ gegessen.
Neben der gesunden Küche vermisst Lesley auch die deutsche Zuverlässigkeit. „Mein Handy ist jetzt schon seit zwei Monaten in Reparatur.“
Australien ist längst zu einer zweiten Heimat für sie geworden. Da fällt kein Wort von einem Kulturschock oder einer Eingewöhnungsphase, im Gegenteil: „Ich konnte sehr schnell Freunde finden“, sagt sie. „Als Deutsche bin ich an der Schule eine kleine Attraktion, und dann habe ich auch noch so tolle Dinge wie Füller und Tintenkiller mitgebracht – das kennen die Australier gar nicht!“
Nick Probst hingegen fürchtet sich vor der ersten Zeit in Kenia. „Die ersten Wochen sind sicher am schlimmsten“, ahnt er, „vor allem wegen der Verständigung.“ In Kenia spricht man Suaheli. Das wird Nick wohl kaum so schnell lernen, zumal er vor Ort eine deutsche Schule besucht. „Mein Vater hat die Sprache das letzte Jahr über gelernt und sagt, dass es ziemlich schwer ist.“
Doch trotz all der Zweifel überwiegt bei Nick die Vorfreude. „Kenia, das ist schließlich auch eine tolle Landschaft, Safari, die ganzen Tiere. Das will ich unbedingt kennenlernen“, schwärmt er. „Außerdem ist das eine Chance fürs Leben. Ich kann dort so viele Erfahrungen sammeln – das muss ich ausnutzen.“






2 Kommentare zu diesem Artikel
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Wow! Ich habe respekt vor den beiden! Ich glaube ich könnte nicht einfach so auswandern..und dann auch noch soo weit weg!
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Zunächst erst mal beiden alles, alles Gute in der Ferne!! Nutzt die einmalige Chance, die nur sehr wenigen Menschen haben, und macht das Beste draus.
Gegen Ende des Artikels wäre ich beinahe vom Stuhl gefallen: Nicks Vater muss als Militärattaché Suaheli lernen. Als ich 9 Monate bei der Bundeswehr war (Grundwehrdienst), fragten unsere Vorgesetzten immer, wenn man ihnen sagte, dass man sie nicht verstehen könne, auf ironische Art, ob sie Suaheli sprechen würden. Den Scherz kann sich Nicks Vater jetzt nicht mehr erlauben. :D
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