Der Wecker klingelt, man steht auf und was stellen die meisten von uns dann an? Richtig – das Radio! Und bei uns im „Sektor” wird man morgens am häufigsten von den sympathischen Moderatoren von 1Live geweckt.
1Live ist zum ersten Mal am 1. April 1995 „on air” gegangen. Der Sender sollte das Programm von WDR1 (dem „echten Jugendsender”, für die Zielgruppe der 14-bis 29-jährigen Hörer) ersetzen. Heute hören 2,9 Millionen Menschen 1Live und jeder Zweite unter 30 Jahren im „Sektor” sogar täglich. Der Durchschnittshörer der „Jugendwelle” ist jedoch nicht mehr 29, sondern 34 Jahre alt.
Die 1Live-Redaktion hat ihren Sitz im Kölner Mediapark, genauer gesagt in einem sechsstöckigen Gebäude – das muss wohl 1Live sein, dachten wir, als wir davor standen, doch die 1Live-Räume befinden sich nur auf einer Etage, der dritten, auf deren Balkon man auch schon das 1Live-Logo erkennen.
Die Mitarbeiter bei 1Live schienen alle total nett und locker zu sein. Man merkte richtig, dass die Leute Spaß an ihrer Arbeit hatten und sich untereinander supergut verstanden. Insgesamt hat 1Live drei Studios: eins für den Moderator, eins für Aufzeichnungen und natürlich auch für Domian. Zusätzlich noch eins für die Nachrichten und Staumeldungen.
Zuerst gingen wir in das Studio von Domian und um dorthin zugelangen, mussten wir durch ein riesiges Gemeinschaftsbüro laufen, wo wir auch schon die freien Autoren sitzen sahen. Im Hintergrund lief die ganze Zeit Radio und welchen Sender die Leute bei der Arbeit gehört haben, dass kann man sich ja wohl denken…
Das Studio ist klein, aber fein, und der Tisch, der Ähnlichkeit mit einem Mischpult hat, nimmt fast den ganzen Raum in Anspruch. Auf dem Tisch befinden sich zwei Computerbildschirme, auf denen der Moderator immer ablesen kann, welches Lied gleich laufen wird oder welcher Bericht als nächstes an der Reihe ist. Neben dem folgenden Lied steht immer, wie lange der Moderator noch reden kann, bevor dann der Gesang beginnt.

Danach ging es für uns in das Büro der Musikredaktion. Dort planen zwei Redakteure gemeinsam mit der Redaktionsassistenz das Tagesmusikprogramm, zwei weitere kümmern sich um die Beiträge, zum Beispiel Interviews, Reportagen und Verlosungsaktionen. Eine Redakteurin betreut das Abendprogramm. Und die Eventredaktion mit drei Mitarbeitern gehört auch dazu, sodass es insgesamt neun Leute sind, die hauptsächlich für das Musikprogramm von 1Live arbeiten.
Ihre Arbeit hat sich in den letzten Jahren ein bisschen verändert: Früher gab es diese klassische Bemusterung, dass heißt, dass Plattenfirmen Redakteure mit Tonträgern, zuletzt CDs, versorgt haben. Mittlerweile läuft das per digitaler Bemusterung. Das bedeutet, es gibt Dateien, die man sich auf einer Internetseite anhören kann, für welche man allerdings eine Berechtigung braucht. In einer Woche laufen da sicher einige hundert auf.
Die Musikredakteure haben die Aufgabe, sich einen Überblick zu verschaffen, in Sachen reinzuhören und die relevanten Titel mit in die Abhörkonferenz zu bringen. Das ist ein Gremium, in dem alle Musikredakteure zusammensitzen und darüber entscheiden, welche Musik am Tag und welche am Abend läuft.
Die Musik hat einen besonders hohen Stellenwert für 1Live, denn die Hörer schalten sicher zunächst wegen des Musikprogramms ein. Wichtig sind zwar auch Moderation, Comedy und Nachrichten. Aber die Musik macht 70 Prozent des gesamten Programms aus. Pro Stunde laufen etwa zwölf Lieder, wobei die großen Hits zwischen fünf und 20 Uhr höchstens zwei Mal gespielt werden.
Das wichtigste Kriterium, die Musik auszuwählen, ist die Relevanz für die Hörer und die ergibt sich zum einen daraus, dass die Redakteure bestimmte Erfahrungswerte haben, was genau bei den Hörern ankommt, welche Musikgenres von Bedeutung sind. Wir erfuhren, dass es zum Beispiel eine Zeit gab, in der Dancemusik sehr populär bei den Hörern war. Das hat zuletzt aber stark abgenommen. Stattdessen sind Genres wie R’n’B oder auch Rock- und Popmusik wieder wichtiger geworden. So ist es immer von den Strömungen der Zeit abhängig, was gut ankommt und was eben nicht.
Ein anderes Mittel um auszuwählen, was auf die Playlist kommt, sind natürlich die aktuellen Charts in Deutschland, den USA oder auch Großbritanninen. Und zu guter letzt ist auch die Intuition der Redakteure nicht zu unterschätzen: Sie haben ein gutes Gefühl dafür entwickelt, was bei den Hörern ankommen könnte und was nicht. Das ist es schließlich, was einen guten Musikredakteur.

einslive.de
Auf der Website des Senders kannst du auch den Internetstream hören.