Man wurde geschlagen? Wohin denn??
Schoof: Na, wo es gerade passte… (lacht) Auf die Hand, oder man bekam etwas mit dem Schlüssel drauf. Oder ein paar Kopfnüsse.
Winking: Und Frau Paschke – also die konnte sich gar nicht durchsetzen bei den Jungs.
Schoof: Die hat keine Chance gehabt. Wir hatten ja diese Styropordecken, und nach einer halben Stunde hingen die immer voll mit Papierkügelchen. Es gab den Wettstreit, wer kriegt die meisten Kügelchen in die Platte. Noch eine halbe Stunde später sah dann die Paschke aus wie… – weil die Kügelchen alle runterfielen. Die Klasse meines Bruders hat sie im Schrank eingeschlossen! Bei solchen Lehrerinnen sind die Leute damals aus dem Fenster gesprungen: „So, mein Bus fährt jetzt, tschüss!“
Hat man irgendwo nach Geschlechtern getrennt, zum Beispiel im Sportunterricht?
Swan: Das ging gar nicht, vom Stundenplan her. Dafür gab es zu wenig Lehrer.
Schoof: Der Sportunterricht war damals aber auch sehr begrenzt. Unsere Sporthalle war die Aula! Da gab es eigentlich nur Sitzfußball und Geräteturnen. Sitzfußball hieß auch, dass man ständig Splitter in den Händen hatte, weil immer irgendwelche Scheiben kaputt waren… Aber man konnte das gut verbinden mit Bodenwischen – nachher war immer alles sauber!
Winking: Wir haben uns auch alle zusammen in der Aula umgezogen, da wurde noch nicht so unterschieden.
Wie kam man denn überhaupt mit Mädchen in Kontakt, wenn die nicht in die eigene Klasse gingen?
Schoof: Man hatte ja genügend Privataktivitäten. In der Schule, beim Folkloretanzen oder beim Orchester, da traf man sich schon. Es gab auch Sport AGs, beispielsweise eine Handballmannschaft, aber da waren keine Mädchen drin.
Winking: Dafür haben sie die Theater AG sehr bereichert! Wir haben zum Beispiel Ballett gemacht.
Swan: Ballett, das war eine kleine Sensation. Mädchen auf der Bühne…
Schoof: In kurzen Röcken! (lacht) Und endlich mussten die Jungs keine Frauenrollen mehr übernehmen. Die Parties unter den Klassen waren auch ein wichtiger Berührungspunkt.
Herr Swan, waren sie überhaupt auf einer gemischten Schule?
Swan: Nein, das war eine Jungenschule, aber es gab da auch einen Tanzkurs und man durfte die Orchesterprobe zusammen machen. Das war ganz sensationell.
Hatten die Mädchen anfangs überhaupt eine Chance, waren sie auf Augenhöhe mit den Jungs?
Winking: Die Jungs waren nicht sonderlich dominant. In meiner Klasse war es einfach sofort gemischt. Das Verhältnis passte.
Schoof: Wir bekamen ja erst in der Elf erste Mädchen und ich glaube, die hatten einen schweren Stand. Da hatten wir zehn Jahre reine Jungsklasse hinter uns und zudem kamen die Mädchen zum teil noch von der Borkener Mädchenschule. Da trafen zwei Extreme aufeinander. Zu uns kamen acht Mädchen, davon waren fünf nach einem Jahr wieder verschwunden.
Winking: Die Mädchen hatten dann aber eigentlich immer viel mit den Jungs aus der Klasse zu tun.
Schoof: Das lag daran, dass unsere Stufen so klein waren. Wir haben Abitur gemacht mit 34 Leuten – da hing man sehr stark an der Stufe.
Schade eigentlich, dass der Grund für die Aufnahme der Mädchen vor (fast) dreißig Jahren vor allem höhere Schülerzahlen waren. Heute wissen wir, dass uns gemischte Klassen noch viel mehr bieten. Das hat auch schon Simone Winking gemerkt: Sie und ihr Mann sind eines von vier Ehepaaren, die aus der aller ersten gemischten Mariengarden-Klasse entstanden – und noch immer zusammen sind.
Auf der nächsten Seite: Frau Hölting über ihre Erfahrungen an einer gemischten Schule






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