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Wir treffen uns mit Simone Winking, die sich 1978 als eines der ersten Mädchen an unsere Schule traute. Heute hat sie drei Kinder und ist Sozialversicherungsfachangestellte. Außerdem spricht mit uns Leo Schoof, heute Vater einer Tochter, Anwalt und Insolvenzverwalter. Er wurde 1977 eingeschult und erst in der Elf direkt mit Mädchen konfrontiert. Dazu kommt noch Herr Swan, der einzige Lehrer, der noch in Mariengarden aktiv ist und uns über diese Zeit berichten kann.

Wie haben die Schüler reagiert, als sie hörten, dass Mädchen an der Schule angenommen würden?
Schoof: Ich denke, für uns war das noch nicht so krass, weil wir selbst erst ein Jahr da waren. Natürlich war es erst mal überraschend, aber mit den Jahren wurden es mehr und mehr, das war dann normal. Einschneidender war es für uns, als wir in der Oberstufe selbst Mädchen in die Klasse bekamen.

Und wie fanden es die Patres, dass an einer katholischen Klosterschule plötzlich auch Schülerinnen zu sehen waren? Haben sie es bedingungslos akzeptiert?
Swan: Bedingungslos weniger. Einige haben sich, glaube ich, auch dagegen gewehrt – das brachte aber nichts. Andere haben es einfach hingenommen. Zum Beispiel Pater Polnik, der nahm das ganz sanft an. Er fand es sogar ganz schön.
Winking: Da gab es noch dieses Problem mit der Aufklärung… Pater Trapp hat dafür extra einen Elternabend einberufen, weil er nicht wusste, wie er den Mädchen das beibringen sollte. Er hat dann jedem Elternteil eine Binde und einen Tampon mitgegeben und gefragt, wie weit er da bei den Mädchen eingreifen solle. Er war sehr unsicher.
Schoof: Ich kann mich gar nicht daran erinnern, dass wir überhaupt solchen Unterricht hatten!

Was hat sich geändert, als die Mädchen kamen?
Swan: Die gesamte Atmosphäre wurde etwas ruhiger. Also weniger Krawall und Käbbeleien.
Winking: Es gab ja anfangs reine Jungenklassen und gemischte Klassen, und in den Jungenklassen war immer viel mehr los!
Schoof: Bei diesen Klassen fehlte das Regulativ der Mädchen! Ich weiß, dass die Lehrer über uns sagten, das Klima sei deutlich rauer. Besonders in der Pubertät haben wir uns da ausgetobt…
Swan: Das lag aber mit daran, dass das Klima insgesamt strenger war.
Schoof: Ja, ich glaube, stärker als den Wechsel von der reinen Jungen- zur gemischten Schule haben wir den Wechsel von den ganzen Patres zu den jungen Lehrern wahrgenommen, die dann kamen.
Winking: Elting, Schäfersküpper, Klinkenbusch…
Schoof: Das waren die coolen jungen Lehrer! Die ersten drei, vier Jahre hatten wir fast nur Patres, die waren alle sehr alt, teilweise über das Rentenalter hinaus, und richtig streng. Das lief teilweise noch mit dem Stock, und manchmal saß die halbe Klasse draußen und schrieb Aufsätze wie „Unsere Klassentür von außen“.

Gab es einen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen im Unterricht?
Winking: Also, das mit den Aufsätzen kenne ich auch noch…
Swan: Den Mädchen wird ja nachgesagt, dass sie fleißiger sind. Es gibt aber auch Jungs, die einiges tun. Ob die Mädchen vor dreißig Jahren fleißiger waren? Ich weiß nicht.
Schoof: Man bemerkt das aber im Oberstufenraum. Der war die reinste Ausnüchterungszelle. Zwei, drei Leute schliefen ihren Rausch aus und der Rest spielte Doppelkopf. Das war schon ein Einschnitt, als die Mädchen plötzlich anfingen, da Hausaufgaben zu machen, und aufzuräumen.

Wurden die Mädchen trotzdem genauso hart bestraft wie die Jungs?
Winking: Nee, es wurden immer eher die Jungs bestraft. An die Mädchen hat man sich nicht so herangetraut, glaube ich. Frau Schröder langte auch mal mit der Hand zu…

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